Katholisch sein
17.05.2025 |
Der BDKJ Freiburg versteht „katholisch sein“ als eine offene, von christlichen Werten getragene Haltung, die Menschen unabhängig von Taufe oder Konfession Beteiligung und Leitungsverantwortung ermöglicht.
Die Versammlung möge den vorliegenden Text „Katholisch sein im BDKJ Freiburg“ als Positionspapier und somit als vereinbarte Haltung in diesem Thema beschließen. Die DL wird beauftragt mit diesem Text ins Gespräch mit der Bistumsleitung zu gehen und das Thema Wählbarkeitsvoraussetzungen neu anzugehen. BDKJ Freiburg: Katholisch sein. Präambel In den vergangenen Jahren kam das Thema „katholisch sein – was bedeutet das für uns in der Jugendverbandsarbeit“? immer wieder auf und wurde auf verschiedenen Verbänden diskutiert. Im Zuge der Diskussion um die Wählbarkeitsvoraussetzungen für Diözesanleitungen trat der BDKJ Freiburg auch in Gespräche und Diskussionen darüber mit der Bistumsleitung ein. Über den AKIP und die jahrelangen Diskussionen und durch den Auftrag des Erzbischofs an den BDKJ, sich mit diesem Thema innerverbandlich auseinanderzusetzen, entstand das folgende Papier, in das viele Überlegungen aus den Verbänden eingeflossen sind. In der Präambel der Satzung des BDKJ Freiburg heißt es: „Der BDKJ will die Selbstverwirklichung junger Menschen und eine menschenwürdigere Gesellschaft auf der Grundlage der Botschaft Christi in Mitverantwortung für die Gesamtheit des Volkes Gottes, in Einheit mit der Gesamtkirche und in Übereinstimmung mit den Grundrechten anstreben. “ Dementsprechend ist und bleibt die Grundlage des BDKJ, die Botschaft Jesu Christi und die Gemeinschaft innerhalb der Kirche, auch wenn die Jugendverbände im BDKJ in ihrer Eigenständigkeit und ihrer je eigenen spezifischen Ausrichtung eine andere Auffassung von „katholisch sein“ haben. Der vorliegende Text gibt eine Antwort auf das innerverbandliche, wie auf das von außen geäußerte Bedürfnis, in dieser Frage eine Klärung vorzunehmen und eine Haltung zu beschreiben, mit der die Verbände zukunftsfähig aufgestellt auftreten können und um auf die Frage antworten zu können, was „katholisch sein“ für sie bedeutet. Katholisch sein. Der BDKJ Diözesanverband Freiburg definiert im folgenden Text, was „katholisch sein“ im Kontext der Jugendverbandsarbeit bedeutet. Der BDKJ Freiburg trägt „katholisch“ in seinem Namen, wie es auch einige seiner Mitgliedsverbände tun. Gemäß der Grundordnung des kirchlichen Dienstes ist auch der BDKJ „geprägt durch das christliche Gottes- und Menschenbild“[1] und wirkt so mit am Sendungsauftrag der katholischen Kirche. „Diese Sendung hat das Zweite Vatikanische Konzil als Auftrag an das ganze Volk Gottes neu in den Blick genommen. Es hat damit Wege gebahnt, sowohl die Kirche als auch ihre Geschichtlichkeit neu zu denken, sie als wirksames Zeichen des
Beschluss Katholisch sein. zukünftigen geeinten Volkes Gottes zu begreifen und in ihrem Verhältnis zur Welt von heute die Trennung von Kirche und Welt zu überwinden. “[2] Die Jugendverbände im BDKJ gestalten diese Sendung gemäß den Verbandsprinzipien des BDKJ auf kinder- und jugendgerechte Art und Weise in zielgruppenorientierten Formen und Ausdrucksweisen. Dadurch kommen dem BDKJ und seinen Jugendverbänden auch prophetischer Charakter zu: „Ein wertvolles Potenzial der Jugend ist ihre Dynamik, die prophetische Kraft entfalten kann. Die katholischen Kinder- und Jugendverbände sind schon aufgrund ihrer Mitgliederstruktur „nah dran“ an gesellschaftlichen Um- und Aufbrüchen. (…) Die prophetische Kraft der Kinder- und Jugendverbände zeigt sich in der Radikalität, mit der die Einheit von Wort und Tat eingefordert wird, aber auch an den verschiedenen Themen, die sie wählen und in denen sie sich zu engagiertem Handeln gerufen wissen. Das sind die Themen des konziliaren Prozesses, der in den Kinder- und Jugendverbänden weiterlebt: Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung. Das sind auch neue Themen wie etwa Generationengerechtigkeit oder Geschlechterdemokratie. Einzelne Verbände setzen hier unterschiedliche Schwerpunkte und finden jeweils Felder, wo sie ihre Stimme einbringen und gemeinsam handeln. Die prophetische Kraft der Kinder- und Jugendverbände zeigt sich aber auch an innerkirchlichem Widerspruch, etwa an der ökumenischen Offenheit, wie sie in den Verbänden gelebt wird, oder daran, dass sie Denkverbote nicht akzeptieren. Sie zeigt sich auch in Bezug auf Fragen der Beziehungsethik und Sexualmoral. Auch bei dem Thema Gewaltprävention wird die prophetische Kraft der Kinder- und Jugendverbände deutlich, die Strukturen und Wahrnehmungen schaffen, um Kinder und Jugendliche vor Übergriffigkeit und Machtmissbrauch zu schützen. “[3] Dies geschieht, indem zeitgemäße Glaubensverkündigung errungen und auf reale Probleme in Kirche und Welt hingewiesen wird. „Um Kirche in der Welt von heute zu sein, muss sie sich zudem immer wieder der Frage stellen, welche die Größen sind, denen sie nicht ausweichen kann: die Zeichen der Zeit, auf die sie hören muss, wenn sie Kirche sein will (vgl. GS 4 und 11). In diesem Nicht-Ausweichen besteht ihre Sendung. “[4] Für den BDKJ Freiburg bedeutet es, in diesem Sendungsauftrag „katholisch sein“ in seiner ursprünglichen Form von „allumfassend“ anzusehen und mit Leben zu füllen. Die niemanden ausschließende Gemeinschaft, das zentrale jesuanische Gebot der Liebe[5] zu sich selbst, zum Nächsten und zu Gott, die befreiende, lebensbejahende und lebensnahe Botschaft des Evangeliums, die Suche nach Glaube, Spiritualität und Lebensbegleitung und das selbständige Verantwortung und Leitung übernehmen prägen das „katholisch sein“ im BDKJ.[6] „Spiritualität geht nicht von einem Abstraktum aus, sondern bezeichnet die je persönliche Gottesbeziehung eines Menschen und der Menschen einer Gruppe. In den Kinder- und Jugendverbänden werden die vielfältigen Formen der Spiritualität darum auch daraufhin befragt, ob sie wirklich für alle Mitglieder passend sind oder ob sie bestimmte Lebenswirklichkeiten und Erfahrungswelten ausschließen. Sie müssen dem Anspruch genügen, für Menschen jeden Geschlechts, jedes Alters und aus verschiedenen Lebenswelten zugänglich zu sein und sie in der Gestaltung ihrer Gottesbeziehung zu unterstützen. Ein wichtiges Kennzeichen verbandlicher Spiritualität ist, dass sie immer vom konkreten Leben von Kindern und
Beschluss Katholisch sein. Jugendlichen ausgeht. Dies drückt sich beispielsweise durch eine große Freiheit sowohl bei der Wahl der Themen als auch der Methoden aus“[7] „Katholisch sein“ bedeutet somit, diese Werte und Haltungen der Jugendverbände im BDKJ, sowie die Offenheit christlicher Lebensführung aktiv zu bejahen und mitzutragen, Sinnangebote zu schaffen und jungen Menschen Glaubenserfahrungen zu ermöglichen. Dieses katholische Profil wird vom BDKJ verantwortet und gewährleistet, dadurch dass das bisher Beschriebene gelebt wird. „Unerlässlich ist, dass das Profil nicht nur in Leitbildern und Konzepten verankert ist, sondern auch als christliche Kultur in den Einrichtungen von Leitung und Mitarbeiterschaft mitgestaltet, von allen mit Leben gefüllt und für die Menschen, die kirchliche Angebote wahrnehmen, erfahrbar wird. “[8] Somit ist für den BDKJ Freiburg nicht entscheidend, ob ein Mitglied in den Jugendverbänden getauft ist oder nicht, sondern, ob es sich mit dieser Haltung und mit diesen Werten, sowie den Verbandsprinzipien identifiziert und bereit ist, diese auch in der Übernahme von Leitungsverantwortung zu leben und zu gestalten und somit Teil der kirchlichen Sendung zu sein. Diese Vielfalt ist für den BDKJ Freiburg gewinnbringend und unerlässlich. „Vielfalt in kirchlichen Einrichtungen ist eine Bereicherung. Alle Mitarbeitenden können unabhängig von ihren konkreten Aufgaben, ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihres Alters, ihrer Behinderung, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Identität und ihrer Lebensform Repräsentantinnen und Repräsentanten der unbedingten Liebe Gottes und damit einer den Menschen dienenden Kirche sein. Vorausgesetzt werden eine positive Grundhaltung und Offenheit gegenüber der Botschaft des Evangeliums und die Bereitschaft, den christlichen Charakter der Einrichtung zu achten und dazu beizutragen, ihn im eigenen Aufgabenfeld zur Geltung zu bringen. “[9] „Katholisch sein“ beinhaltet somit verschiedene Zugangsmöglichkeiten im BDKJ Freiburg: Junge Menschen sind katholisch getauft und wachsen in die kirchlichen Strukturen hinein und leben ihr „katholisch sein“ in den Jugendverbänden aus. Junge Menschen sind christlich getauft und wachsen in einer christlichen Kirche oder Gemeinschaft auf und bringen somit ihre christliche Sendung in einer „katholischen Weite“ der Verbände ein. Junge Menschen sind nicht getauft oder gehören einer anderen Religion an und wachsen ebenso in die Jugendverbände des BDKJ Freiburg hinein oder kommen zu einem späteren Zeitpunkt in Kontakt mit ihnen. Sie sind herzlich eingeladen die gelebte Gemeinschaft kennen- und mit den Werten und Haltungen vertraut zu werden. Im Hineinwachsen in die Verbände kann Interesse am katholischen Glauben entstehen – muss aber nicht. „Katholisch sein“ kann hier auch bedeuten, im oben beschriebenen Sinne die Werte und Haltungen anzunehmen und zu leben.[10]
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Beschluss Katholisch sein. In der Theologie der Verbände, sowie in den zitierten Lehramtstexten wird diese „katholische Weite“ treffend beschrieben: „Kirche gründet und zeigt sich an allen Orten, an denen Menschen auf der gemeinsamen Suche nach Jesus Christus sind, sich in ihrem Glauben an Gott gegenseitig bereichern, miteinander feiern, anderen Menschen in Wort und Tat Zeugnis davon geben und einander und allen Menschen aus dem Glauben heraus beistehen: „Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen. Diejenigen, die sich von ihm retten lassen, sind befreit von der Sünde, von der Traurigkeit, von der inneren Leere und von der Vereinsamung. Mit Jesus Christus kommt immer – und immer wieder – die Freude. “ (Evangelii gaudium 1) Im Verständnis der römisch-katholischen Kirche ereignet sich Kirche überall, wo Menschen so die Freude des Evangeliums weitergeben. Um in diesem Sinne den Weg als Gemeinschaft gehen zu können, braucht es den Dienst an der Einheit und die Verantwortung der Bischöfe und des Bischofs von Rom für das Volk Gottes. Die Kirche ist berufen, „die Familie der Kinder Gottes zu bilden“ (GS 40) und, indem sie in untrennbarer Einheit mit allen Menschen lebt, mit diesen gemeinsam dem Reich Gottes entgegen zu gehen und Gottes Wirken in dieser Welt, seine Botschaft und seine Menschenfreundlichkeit sichtbar zu machen und vorzuleben. Das ist die Sendung der Kirche, und diese Sendung ist eine Sendung aller Getauften im umfassenden Sinne des Lebenszeugnisses in Wort und Tat als Heiligungs-, Leitungs- und Verkündigungsdienst (vgl. LG 31). “[11] Auch die von der Deutschen Bischofskonferenz einstimmig verabschiedeten Leitlinien zur Jugendpastoral beschreiben diese Weite und wenden sich entschieden gegen eine Engführung von Jugendpastoral. „Jugendpastoral darf sich nicht verschließen und in ihren eigenen Kreisen verstricken; sie hat ein Herz für alle jungen Menschen, gleich welcher Religion oder Kultur sie angehören. “[12] In dieser Offenheit und Weite ist die Möglichkeit für junge Menschen gegeben, die „katholischen“ Werte und Haltungen kennenzulernen und selbst zu bewerten, ob diese auch für das eigene Leben Konsequenzen haben, oder nicht. „Das Christentum als Religion der Inkarnation ist unabdingbar darauf verwiesen, dass Menschen einzeln und in Gemeinschaft die Botschaft verkörpern und in ihrem Leben Gestalt annehmen lassen. Das Wort Gottes verändert die Menschen, die es annehmen – und die Menschen, die es annehmen, prägen es auf ihre je eigene Weise, wenn sie es in ihrem Leben Gestalt annehmen lassen. “[13] Auf dem II. Vatikanischen Konzil aufbauend ist festzuhalten, dass ein vorbehaltloses Sich-Einlassen auf die gesellschaftliche Gegenwart notwendig für Kirche ist, um der eigenen Sendung gerecht zu werden: „Hierbei meint Sendung über die Verkündigung des Evangeliums hinaus auch die Entdeckung der Gegenwart des göttlichen Geistes in den Herausforderungen der jeweiligen Zeit – eine Bewegung, die auch die Konzilsversammlung bestimmt hatte, als sie sich zu den „Zeichen der Zeit“ (GS 11) hinwandte: zu den Vollzügen, Ereignissen, Werten und Bedrängnissen der jeweiligen Gegenwart, die signifikant sind, wo Menschen um ihre Würde ringen. Diese Zeichen der Zeit wurden von der Konzilsversammlung für ihre Gegenwart bedacht und bestimmt; sie sind zu jeder Zeit neu aufzufinden und stellen Herausforderungen für die Kirche dar. An diesen neuralgischen Punkten sind die Möglichkeiten des Wachstums hin zum Reich Gottes zu entdecken, sie dürfen bei der Rede von Gott nicht ausgeklammert werden,
Beschluss Katholisch sein. sondern an ihnen muss sich die Rede von Gott bewähren. Ohne ein solches radikales Sich-Einlassen auf die Herausforderungen der Zeit verliert die Kirche den Kontakt zu den Lebensbezügen der Menschen – besonders der jungen Generationen – und läuft dadurch Gefahr, dass ihre Botschaft nicht als mögliche Gestaltungskraft im konkreten Leben der Menschen wahrgenommen wird, ja dass sie für diese irrelevant wird. Ein vorbehaltloses Sich-Einlassen auf die gesellschaftliche Gegenwart ist nicht nur ein Mittel zu dem Zweck, die Verkündigung besser auf die aktuellen Gegebenheiten abzustimmen, sondern sie ist notwendig für die Kirche, um ihrer Sendung zu entsprechen. Dabei hilft der Horizont des Reiches Gottes, dieses Sich-Einlassen nicht mit vorbehaltloser Zustimmung zu verwechseln, sondern alles zu prüfen und das Gute zu behalten (vgl. 1Thess 5,21). Um ihrer Sendung willen muss die Kirche ihre Fähigkeit erhalten, sich zu wandeln und zu verändern. Denn die Botschaft des Heils ist in die stets im Wandel begriffene Geschichte der Menschen hinein zu übersetzen, weil der Horizont ihres Handelns nicht die Kirche selbst, sondern das Reich Gottes ist. Die katholischen Kinder- und Jugendverbände verwirklichen diese Sendung, indem sie ihre Aufgabe von der Situation der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen her bestimmen, für die und aus denen sie bestehen. Deren Welt ist der Ort, auf den die Kinder- und Jugendverbände unbedingt verwiesen sind und der unvermeidlich ihre Herkunft bestimmt. “[14] Jeder junge Mensch in den Jugendverbänden des BDKJ Freiburg kann in diesem Sinne „katholisch sein“ und in einem katholischen Jugendverband Leitungsverantwortung übernehmen. Vgl. den Erlass des Erzbistums Berlin: „Wir fördern und ermöglichen die gemeinsame Sendung aller Getauften im Dienst für das Erzbistum Berlin und binden auch Ungetaufte ein, die die Sendung der Kirche unterstützen. Den gemeinsamen Dienst zu fördern, gehört zum Profil kirchlichen Lebens und ist eine Kernaufgabe. Wir qualifizieren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und schaffen Rahmenbedingungen die eine Entfaltung der Charismen fördert. a. Wir sehen Stärken und Schwächen, um zu fördern und nicht zu beschränken. b. Wir probieren Dinge aus und zögern die Umsetzung nicht hinaus. “[15] Der Dachverband an sich gewährleistet dabei das bleibende „katholisch sein“ aus eigenem Antrieb – gerade auch über das Amt der Geistlichen Verbandsleitung: „Die Bindung an die bischöfliche Autorität ist selbstgewählt, denn die Verbände sind als private Vereine im Sinne des kirchlichen Rechts autonom (vgl. c. 321 CIC/1983). Die Kirchlichkeit und der Bezug auf den Bischof finden in den katholischen Kinder- und Jugendverbänden besonderen Ausdruck in der Geistlichen Verbandsleitung. “[16] Darüber hinaus haben aber auch alle Mitglieder in ihrer je eigenen Sendung an der „katholischen“ Ausrichtung des BDKJ mitzuwirken: „Die Arbeit an der christlichen Identität der Einrichtung ist eine Pflicht und eine Gemeinschaftsaufgabe aller und ein permanenter, dynamischer Prozess. Der Dienstgeber ist in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden verpflichtet, das christliche Profil der Einrichtung fortwährend weiterzuentwickeln und zu schärfen. “[17] Jugendverbandsarbeit im BDKJ kann nur eine prophetische Stimme in Kirche und Welt bleiben, wenn sich der BDKJ der Realität stellt und dabei von der
Beschluss Katholisch sein. Amtskirche unterstützt wird. In diesem „an die Ränder“ gehen ereignet sich der Sendungsauftrag der Kirche und kann authentisch Zeugnis gegeben werden. Dies beinhaltet eine Offenheit und ein Wagnis, auch die Möglichkeit des Scheiterns und Neubeginnens und die Bereitschaft auch als Kirche, wie als BDKJ stets Lernende zu bleiben. „In allen drei Akzenten ist grundlegend, dass die Kirche mit jungen Menschen selbst lernt, wie Gott sich heute zeigt. “[18] In den neuen Jugendpastoralen Leitlinien heißt es: „Damit rückt die Konzeption einer „lernenden Jugendpastoral“ in den Blick. Sie ist lehramtlich verankert in vielen Texten aus der Abschlussphase des letzten Konzils (vgl. nur GS 11.44, AG 22, DH 3). Für die Konkretion in der Jugendpastoral ist eine Formulierung des früheren Bischofs von Aachen, Klaus Hemmerle, viel zitiert. Sie lautet: „Lass mich dich lernen, dein Denken und Sprechen, dein Fragen und Dasein, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu überliefern habe. “ Die Pointe ist diese: Die Kirche hat selbst je neu zu lernen, wer Gott ist und wie er zu erkennen ist – und dieses Lernen erfolgt in einer ko-kreativen Lernbewegung aus Kirche und ihrem kulturellen, säkularen Umfeld. “[19] Dies gilt nicht nur für Formate und Methoden, sondern auch für Strukturen und Leitungsmodelle in den Verbänden. Das „katholisch sein“ muss hier gemäß den neuen Pastoralen Leitlinien ausgeweitet werden auf alle jungen Menschen, die im oben beschriebenen Sinne, das katholische Profil des BDKJ bejahen. „Auch das hier vorgelegte Dokument verankert sich bewusst in dem Würzburger Synodenbeschluss. Die dort vorgelegten theologischen wie pädagogischen Zielbestimmungen sollen hier erneut bekräftigt werden. Das Würzburger Papier formuliert in Bezug auf den sogenannten „Christus-Hymnus“ aus dem Philipperbrief programmatisch: „Die Kirche dient dem jungen Menschen, indem sie ihm hilft, sich in einer Weise selbst zu verwirklichen, die an Jesus Christus Maß nimmt (Phil 2,6–11). Darin unterscheidet sich kirchliche Jugendarbeit von jeder anderen Jugendarbeit. ““[20] Eine aktive Annahme des „katholisch seins“ durch die Taufe oder den Übertritt ist eine zwar eine erfreuliche Möglichkeit und kann erfolgen, ist aber nicht zwingend notwendig – weder für eine Mitgliedschaft in einem Jugendverband, noch für die Wahrnehmung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten: „Dabei gilt es, Jugendliche zu fordern und zu fördern, sie in Kontakt mit dem christlichen Glauben zu bringen, aber auch zu respektieren, wenn die Option des Christentums nicht der ihren entspricht. Junge Menschen werden angeregt, aktiv zu werden und Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen.“[21] „Der Auftrag der Jugendpastoral gilt „allen Jugendlichen ohne Ausnahme“. Er geht über den Kreis der getauften oder in der Kirche engagierten jungen Menschen hinaus und richtet sich an junge Menschen aus allen jugendlichen Lebenswelten. “[22] Diese Ausrichtung kann im Selbstverständnis der Jugendverbände dann aber nicht mit der Übernahme von Verantwortung und Leitung im jeweiligen Verband enden. Dies würde den Verbandsprinzipien des BDKJ, sowie den je spezifischen der Jugendverbände fundamental widersprechen und deren Autonomie untergraben. Die Jugendpastoralen Leitlinien geben zwei Ziele vor: im Allgemeinen die „Persönlichkeitswerdung“, die allen jungen Menschen ermöglicht werden soll und im Speziellen die „Lebensprägung durch die Freundschaft mit Christus“.[23] Beides kann nur in einer großen Freiheit und Selbstbestimmtheit
Beschluss Katholisch sein. junger Menschen geschehen und entspricht somit ausdrücklich der Haltung des BDKJ. „Junge Menschen befinden sich noch mitten in den Phasen von Identitätsbildung, - entwicklung und -festigung. Sie sind offen und müssen es sein, denn noch steht er nicht fest, ihr Platz in der Welt. Noch dürfen sie, müssen aber auch viele wichtige Fragen für sich klären und Antworten finden: etwa bei der Suche nach ihrem Platz im sozialen Umfeld; bei der Findung ihrer personalen Identität, unter Einschluss ihrer Körperlichkeit und Sexualität; bei der Findung der zentralen Werte, die ihre Persönlichkeit ausmachen sollen; oder bei den großen biografiebestimmenden Entscheidungen wie Partnerschaften, Ausbildungsrichtungen oder Heimatorten. Junge Menschen brauchen sensible Unterstützung bei der großen und hoffentlich inspirierenden Entdeckung, dass ein Leben nicht nur irgendwie ablaufen muss, sondern selbstbestimmt gewählt und geführt werden kann. “[24] Die Leitlinien erkennen an, dass Kirche und ihre Strukturen der Glaubenserfahrung junger Menschen oft im Wege steht und es das Ziel sein muss, sich davon frei zu machen: „Gerade in der Vielfalt weltanschaulicher Optionen und gerade in dem Abschied aus volkskirchlichen Selbstverständlichkeiten kann sich die Freundschaft mit und zu Christus neu bewähren. Jetzt endlich steht sie nicht mehr unter dem lähmenden vielfachen Generalverdacht der Rekrutierung, der Moralisierung, der Therapeutisierung, der Verbürgerlichung, der Pädagogisierung, der Manipulierung oder der Klerikalisierung. Jetzt endlich kann sich zeigen und beweisen, dass der Glaube an Christus die Krücken der Skrupel, der Verbote und des Gruppendrucks nicht braucht, um laufen und wachsen zu können. Jetzt endlich ist mit der Freiheit der anderen Anbieter von Glaubensdeutungen auch die eigene Freiheit gewonnen, in der man um die Aufmerksamkeit der jungen Leute wirbt und sie zu einer vom Glauben an Gott inspirierten Lebensgestaltung eben nicht überreden will, sondern überzeugen. Jetzt endlich kann sich die Fülle entfalten, die Jesus von Nazaret in seinem Glauben an den himmlischen Vater gefunden hat und die ihn zu dem Versprechen motivierte: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. “ (Joh 10,10). Jetzt endlich kann auch die Kirche von innen her neu verstanden werden: als die Gemeinschaft und damit der konkrete Ort, durch die ein junger Mensch in die Freundschaft mit Jesus hineinfinden kann; als der Ort, an dem Jesus in den Sakramenten gegenwärtig ist und erfahren werden kann; als der Ort, an dem Menschen voller Dankbarkeit und Freude ihren Gott feiern; als der Ort, an dem es möglich ist, das Wort Gottes aus der Tiefe einer lebendigen Überlieferung neu verstehen zu lernen; als der Ort, an dem Menschen sich umeinander und um die Benachteiligten sorgen, weil gerade dies der Weg Jesu ist.“[25] Gerade diese Neubewertung von Jugendpastoral muss sich auch im Umgang mit und im Zutrauen an Jugendverbände im BDKJ wiederspiegeln und ihnen die Freiheit zugestehen, ihr „katholisch sein“ verantwortet so zu gestalten, dass junge Menschen in eine echte und aufrichtige Freundschaft mit Jesus Christus hineinwachsen können, die nicht zweckgebunden ist, sondern in eine größere Freiheit und in die Übernahme von Verantwortung im Verband und dadurch auch in Kirche und Welt führen kann. „Über die Jungen zu sprechen, bedeutet, über Verheißungen zu sprechen, und es bedeutet, über die Freude zu sprechen. Die jungen Leute besitzen eine solch
Beschluss Katholisch sein. ungeheure Kraft, ihr Blick zeugt von einer solch großen Hoffnung. Ein junger Mensch ist eine Verheißung des Lebens, gepaart mit einer gewissen Beharrlichkeit; er ist verrückt genug, sich einer Illusion hinzugeben, und zugleich in der Lage, sich von den Enttäuschungen zu erholen, die daraus erwachsen können. “[26] Die Frage der Kirche muss sein: „Was willst du, dass ich dir tue?“[27] und sie muss junge Menschen bestärken, auch in Verbandsleitungen aktiv zu sein. Dabei dürfen ihnen keine Hürden bei den Zugangsvoraussetzungen in den Weg gelegt werden, die nicht sein müssen und im Blick auf die Weite des Evangeliums und die Weite der Jugendpastoralen Leitlinien eine Verkürzung der Botschaft Jesu darstellen würden und deshalb auch nicht sein dürfen. „Wo fehlende verlässliche Bezugspersonen keine anerkennenden Bindungen ermöglichen; wo Armut, Gewalt oder Krankheit den Entfaltungsraum beschränken; wo die Herkunft, das Geschlecht, die Religionszugehörigkeit oder andere Faktoren, wie Beeinträchtigung oder Benachteiligung, zu Exklusionen führen, da fehlt für den Aufbau von Lebensglauben das Wesentliche: nämlich die Fähigkeit zum Vertrauen. Jugendpastoral als Beziehungspastoral ist damit immer auch Sozialpastoral. “[28] Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Jugendverbände im BDKJ Freiburg bietet eine große Chance, junge Menschen zu erreichen und ihnen Gemeinschaft anzubieten, in der sie auf je unterschiedliche Art und Weise sinnstiftende und persönlichkeitsbildende Angebote erleben können. „Nur diese Vielfalt kann gewährleisten, junge Menschen aller sozialer Lebenswelten und unabhängig von ihrer kirchlichen Bindung in ihren je eigenen Herausforderungen, Fragen und Nöten ansprechen zu können und mit ihnen unterwegs zu sein. Die Felder sind in ihrer Profilierung und Eigenart zu fördern und zugleich ergänzend zu verstehen und in Netzwerkkooperationen umzusetzen. Sie sind Teil einer synodalen Kirche, die von Papst Franziskus als Weg der Pastoral etabliert wird. Jugendpastoral engagiert sich in allen kirchlichen Grundvollzügen. Je nach Handlungsfeld werden martyria, diakonia, liturgia und koinonia unterschiedlich gewichtet. “[29] „Katholisch sein“ im BDKJ Freiburg bietet somit allen Kindern und Jugendlichen eine Heimat, Orientierung, Räume für Selbstentfaltung und Glaubenserfahrungen und die Möglichkeit, Erlebtes auch selbst an jüngere Menschen weiterzugeben, indem sie selbst Verantwortung in den verschiedenen Gremien und Ämtern auf allen Ebenen der Jugendverbände wahrnehmen können. Diese Haltung und dieses Verständnis begründet sich auf der Tradition der Jugendpastoral in Deutschland, ausgehend vom II. Vatikanischen Konzil, über die Jugendsynode, die Würzburger Synode, die Bischöflichen Leitlinien zur Jugendpastoral und die Theologie der Verbände und steht somit auch in ihrer Weite und Offenheit auf theologischem und kirchlichem Fundament und ist zugleich zukunftsgewandt und realitäts-bejahend. Der BDKJ Freiburg möchte allen Kindern und Jugendlichen ermöglichen, einen Zugang zur Kirche zu finden oder zu behalten, auch wenn eine Dissonanz mit der Amtskirche bereits erfolgt ist und somit soll dem Raum gegeben werden, was in der Theologie der Verbände abschließend entfaltet wird: ein Leben in Fülle.[30] „Wir wollen als katholische Kinder- und Jugendverbände der Ort sein, an dem junge Menschen ihre Ressourcen, Talente und Fähigkeiten mit- und füreinander
Beschluss Katholisch sein. entdecken, entfalten und weiterentwickeln, wo sie sich mit ihren Lebensentwürfen auseinandersetzen, ihre Identität ausbilden und ihre je eigene Sendung in Kirche und Welt entdecken: ihr Apostolat. (…) Wir wollen auf allen Ebenen unserer verbandlichen Arbeit die Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausbauen. (…) Wir wollen ausstrahlen und einladend sein, wir wollen materielle und kulturelle Barrieren abbauen und neue Zugangswege zum Glauben erschließen; wir wollen für alle jungen Menschen offen sein, die auf der Suche nach Gott sind. Und wir wollen die Bereitschaft haben, uns von Neuen und Neuem verändern zu lassen. (…) Wir wollen die Zeichen der Zeit erkennen und mit der prophetischen Kraft der Jugend zur Lösung der drängenden Fragen unserer Gegenwart beitragen. Wir wollen gemeinsam mit anderen unsere Vision einer dialogischen und geschwisterlichen Kirche verwirklichen, damit die Kirche wieder wachsen kann und Zukunft hat. (…) Wir wollen nicht uns selber verkündigen, sondern Jesus Christus und seine frohe Botschaft vom Reich Gottes. Wir wollen sichtbar machen, dass dieses Reich in der Welt schon angebrochen ist; dass es überall dort aufscheint, wo Menschen aufeinander zugehen, ungerechte Strukturen überwinden und miteinander ein Stück Leben teilen. Wir wollen nicht nur Hoffnung haben und anderen Hoffnung machen; wir wollen Hoffnung sein für unsere Welt. “[31] Diese Hoffnung will der BDKJ Freiburg leben und ausstrahlen und im hier beschriebenen Sinne weiterhin „katholisch sein“. [1] Grundordnung des kirchlichen Dienstes, Artikel 3 (1), S.3. https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/VDD- Arbeitsrecht/Grundordnung-des-kirchlichen-Dienstes-22.-November-2022.pdf [2] Theologie der Verbände, Einleitung, S.5. https://www.bdkj.de/fileadmin/bdkj/bilder/referat_kirche- jugend/Broschuere_BDKJ_Theologie-der-Verbaende2015_FINAL300415.pdf [3] Theologie der Verbände, Kap.III Lebendigkeit, S.26f. [4] Theologie der Verbände, S.8. [5]„Christlicher Glaube im Kinder- und Jugendverband heißt: Beziehung und Lebensorientierung an Jesus, ausgehend von seiner Liebe. „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“, lauten Gebot und Vision Jesu (vgl. Joh 15,12). “ Theologie der Verbände, Kap.I Verbandsprinzipien, S.11. [6] Erarbeitet vom AKIP (Arbeitskreis Kirchenpolitik) 2023-2024. [7] Theologie der Verbände, Kap.III Lebendigkeit, S.29f. [8] Grundordnung des kirchlichen Dienstes, Artikel 3 (4), S.3. [9] Grundordnung des kirchlichen Dienstes, Artikel 3 (2), S.3. [10] Vgl. auch die Ausführungen von Karl Rahner zum Thema „anonyme Christen“. Gleichzeitig ist zu bemerken, dass auch ein „Überstülpen“ und den Anderen durch das Zusprechen eines „Anonymen Christseins“ mit aller Vorsicht und Zurückhaltung zu bewerten ist, um eine Vereinnahmung des Gegenübers zu vermeiden. Dennoch bleibt die inhaltliche Erkenntnis christlichen Verhaltens unberührt, auch wenn ein aktives Zusprechen eines Christ-seins respektvoll unterbleibt. [11] Theologie der Verbände, Kap.I Sendung der Kirche, S.9.
Beschluss Katholisch sein. [12] Wirklichkeit wahrnehmen – Chancen finden – Berufung wählen, Leitlinien zur Jugendpastoral, 2021, III.,1., S.22. [13] Theologie der Verbände, Kap.II Orte und Wege, S.23. [14] Theologie der Verbände, Kap.I Sendung der Kirche, S.10f. [15] ABl. 4/2024 Erzbistum Berlin, Nr. 52 Christliches Profil katholischer Prägung für die Einrichtungen des Erzbistums Berlin und für die Einrichtungen katholischer Träger im Erzbistum Berlin, S.63. [16] Theologie der Verbände, Kap.II Orte und Wege, S.21. Für die KjG gilt abweichend can. 215. [17] Grundordnung des kirchlichen Dienstes, Artikel 3 (4), S.3. [18] Wirklichkeit wahrnehmen – Chancen finden – Berufung wählen, Leitlinien zur Jugendpastoral, 2021, 2., S.3. [19] Wirklichkeit wahrnehmen – Chancen finden – Berufung wählen, Leitlinien zur Jugendpastoral, 2021, 2. Fußnote 7, S.3. [20] Wirklichkeit wahrnehmen – Chancen finden – Berufung wählen, Leitlinien zur Jugendpastoral, 2021, 2., S.3. [21] Wirklichkeit wahrnehmen – Chancen finden – Berufung wählen, Leitlinien zur Jugendpastoral, 2021, III.,1., S.24. [22] Wirklichkeit wahrnehmen – Chancen finden – Berufung wählen, Leitlinien zur Jugendpastoral, 2021, 4., S.5. [23] Vgl. Wirklichkeit wahrnehmen – Chancen finden – Berufung wählen, Leitlinien zur Jugendpastoral, 2021, 4., S.6. [24] Wirklichkeit wahrnehmen – Chancen finden – Berufung wählen, Leitlinien zur Jugendpastoral, 2021, II.,2. Fazit, S.12. [25] Wirklichkeit wahrnehmen – Chancen finden – Berufung wählen, Leitlinien zur Jugendpastoral, 2021, II.,3., S.13. [26] Wirklichkeit wahrnehmen – Chancen finden – Berufung wählen, Leitlinien zur Jugendpastoral, 2021, II.,5b., S.18. [27] Lk 18,41 und Wirklichkeit wahrnehmen – Chancen finden – Berufung wählen, Leitlinien zur Jugendpastoral, 2021, II.,5a., S.16. [28] Wirklichkeit wahrnehmen – Chancen finden – Berufung wählen, Leitlinien zur Jugendpastoral, 2021, II.,5a., S.17. [29] Wirklichkeit wahrnehmen – Chancen finden – Berufung wählen, Leitlinien zur Jugendpastoral, 2021, III.,1., S.22. [30] Joh 7,10: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. “ [31] Theologie der Verbände, Kap.IV Leben in Fülle, S. 32.
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