Keine Chance dem Missbrauch

23.09.2018 |

Der BDKJ Freiburg fordert eine konsequente Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, verlässliche Prävention und grundlegende Veränderungen missbrauchsbegünstigender Strukturen in der Kirche.

Als katholische Jugendverbände in der Erzdiözese Freiburg bieten wir Kindern und Jugendlichen Räume, in denen sie sich ausprobieren, ihre Persönlichkeit frei entfalten und so fähig werden können, die Kirche und Gesellschaft mitzugestalten. Grundvoraussetzung dafür ist es, dass junge Menschen Kirche als sicheren Ort und die Beziehungen untereinander als vertrauensvoll erfahren. Die Ergebnisse der aktuellen Missbrauchsstudie haben für uns nochmals deutlich gemacht, dass diese Grundvoraussetzung für viele, die sich in den vergangenen Jahrzehnten, aber auch aktuell in unserer Kirche engagiert haben, nicht gegeben war und ist. Dass dies Konsequenzen haben muss, sollte spätestens jetzt allen klar sein.
Erzbischof Stephan hat angekündigt, dass er sich mit Betroffenen treffen und vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Erfahrungen hören will, wie sich Kirche verändern muss. Wir halten das für einen richtigen und wichtigen Schritt.
Die Bistumsleitung ist bereit, wirklich alle kirchlichen Strukturen einer kritischen Überprüfung zu unterziehen, um den Missbrauch begünstigende Machtverhältnisse nicht nur zu erkennen, sondern auch zu beseitigen. Wir wollen sie beraten, wie in diesem Prozess vor allem die Stimmen von Kindern und Jugendlichen gehört werden können.
Die Erzdiözese Freiburg baut die erfolgreiche Präventionsarbeit der vergangenen Jahre aus und setzt sie auf allen Ebenen konsequent um. Wir bringen uns mit unseren Erfahrungen und Kompetenzen aus den letzten Jahren intensiver Präventionsarbeit ein.
Betroffenen zuhören, Strukturen überprüfen und Präventionsarbeit stärken sind wichtige Schritte, die gegangen werden müssen – und zwar umgehend.
Wir warnen davor, dass die angestoßenen Diskussionen in Strukturdebatten enden und die nun vielleicht durch die Ergebnisse der Missbrauchsstudie vorhandene Bereitschaft zu tiefgreifenden Veränderungen verloren geht. Deshalb fordern wir, dass sich zusätzlich zu strukturellen Reformen auch die Haltungen in unserer Kirche verändern. Alle, die in der Erzdiözese Freiburg Leitungsverantwortung übernehmen, müssen Tag für Tag deutlich machen, dass der Kern von Leitung nicht Macht, sondern Verantwortung und Dienst an der Gemeinschaft ist.
Wir fordern unsere Bistumsleitung dazu auf, mehr personelle Ressourcen für die Präventionsarbeit bereitzustellen und Menschen auf allen Ebenen dabei zu unterstützen. Die Präventionsarbeit ist regelmäßig und transparent zu überprüfen.
Kirche muss Missbrauch wirksam bekämpfen. Kirche muss ein sicherer Ort für alle werden. Kirche muss bereit sein, sich grundlegend zu wandeln. Das ist ein Auftrag, der nicht exklusiv an die Bistumsleitung geht, sondern sich an alle richtet, denen der Glaube und die Kirche wichtig sind. Wir als katholische Jugendverbände nehmen diesen Auftrag gerne an und fordern alle Christ*innen auf, ihren Beitrag zu leisten.